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Der Unternehmensalltag ist oft stressig, viele Themen prasseln auf einen herein. Da ist es wichtig, sich bewusst Zeit zu blocken, um neuen Ansätzen und Impulsen einen Raum zu geben. Wir bei mobfish haben daher den Hacking Friday eingeführt. Warum wir das gemacht haben, was das ist und was jedes Unternehmen daraus mitnehmen kann, darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Kennt ihr das auch? Auf Unternehmertreffen hört man von einem neuen Tool. Auf einer Messe entdeckt man etwas Neues. “Das muss ich unbedingt einmal ausprobieren!”, denkt man sich. Und wieder entsteht ein Eintrag auf der Todo-Liste. So richtig Zeit findet man dann aber nie. Immer kommt etwas dazwischen. Wann hat man schon mal Zeit, sich einen Tag heraus zu nehmen und in Ruhe etwas auszuprobieren. Vielleicht ist man seit Monaten ineffektiv und weiß es noch gar nicht. Hier kommt der Hacking-Friday ins Spiel.

Wie ein Hackathon

Die Idee ist nicht neu. Google ist dafür bekannt geworden, dass sie ihren Mitarbeitern bis zu 20% ihrer Zeit für eigene Ideen zur Verfügung stellt. Dadurch sind dann Produkte wie Google Mail oder Google Maps entstanden.

In anderen Unternehmen gibt es den Fedex-Tag. Angelehnt an das “Same-Day-Delivery”-Werbeversprechen des Versanddienstleisters bekommen Mitarbeiter 24 Stunden Zeit ein Projekt umzusetzen. Ähnlich wie auch andere Hackathon-Formate.

Das spannende an solchen Formaten ist, dass man sich bewusst aus dem Alltag heraus nimmt und sich auf ein völlig neues Themen konzentriert. Vielleicht auch mit anderen Kollegen, als jenen die man normalerweise ständig um sich hat. Das ist erfrischend und stärkt das Team.

Warum ein Hackathon-Format?

Wie eingangs erwähnt, bietet ein Hackathon die Möglichkeit, aus dem Alltag herauszutreten und seinen Verstand einmal zu durchlüften. Platz schaffen für neue Ideen, Impulse und Ansätze. Neues Probieren, was im Alltag untergeht.

Wenn man täglich an seinen Themen arbeitet, gibt es ein Phänomen, das die Psychologie “Funktionale Fixierung” nennt. Man ist dermaßen auf ein Anwendungsgebiet konzentriert, dass man aufhört “out of the box” zu denken. So werden gute Lösungsansätze völlig übersehen und eine Menge Potenzial verschwendet. Menschen arbeiten an Problemen, die vielleicht nicht einmal welche sind. Man ist so versteift auf eine Problemlösung, dass man den alternativen und einfacheren Lösungsansatz nicht wahrnimmt.
Um genau dieses Phänomen zu durchbrechen, gilt bei uns die Regel, dass das Thema am Hacking-Friday nicht direkt mit den Themen im Arbeitsalltag zu tun haben darf.

Je größer ein Team wird, desto mehr wird delegiert und Verantwortungen werden verteilt. Das ist ein wichtiger Prozess, er birgt aber auch die Gefahr des “Tellerand-Denkens”. Jeder sieht nur noch seinen Aufgabenbereich. Aufgabenpakete werden nach dem Hot-Potato-Prinzip zwischen Teammitgliedern hin und hergeschickt. Hier bietet ein Hacking-Tag die Möglichkeit auch mal Rollen zu tauschen. Zu verstehen, warum der andere so arbeitet wie er arbeitet. Das Potential für Optimierungsideen ist groß.

Einen regelmäßigen Termin zu haben, wo man neue Werkzeuge ausprobieren kann, hilft sich zu fokussieren und zu schärfen. Im Alltag kann man Vorschläge und Ideen auf seine Hacking-Friday Liste packen und hat sie erst einmal aus dem Kopf. Am Hacking-Friday kann man dann abwägen, welchem neuen Ansatz man einen ganzen Tag widmen möchte. Dadurch kommt man raus aus diesem Schwimmen – “Ich habe keine Zeit all die Dinge auszuprobieren” und kommt ins Machen.

Sich am Hacking-Friday komplett einem einzigen Thema widmen zu können birgt die Möglichkeit sich in den Flow-Zustand zu versetzen. Einem Zustand der optimalen Erfahrung. Wählt man sein Thema so, dass es einen weder unterfordert noch überfordert, kann es sein, dass man völlig die Zeit vergisst. Am Ende des Tages hat man Dinge erreicht, die man sonst nicht mal in Wochen schafft. Einfach, weil Menschen, die sich im Flow befinden, nachweislich sehr viel leistungsfähiger sind. Eine Energie, die man anschließend auch wieder mit in den Alltag nehmen kann.
Ein Hackingformat dient also der Unternehmenskultur, erhöht die Innovationskraft, motiviert die Mitarbeiter und verbessert die Vernetzung im Unternehmen.

Wer das Format für externe Gäste öffnet kann zusätzlich auch die Vernetzung des Unternehmens mit Freelancern, Kunden und Partnerunternehmen stärken.

Wie sieht ein Hacking-Friday aus?

Bei mobfish haben wir ein paar Regeln und Abläufe festgelegt, die für uns bisher am besten funktioniert haben. Die Vorschläge in diesem Abschnitt sind aber eher Inspirationsquelle als Patentrezept. Wir haben die Häufigkeit und den Aufbau so gewählt, wie er zum einen für uns leistbar ist und zum anderen, wie er für uns bisher am besten funktioniert.

Der typische Ablauf des Tages sieht wie folgt aus: Der Hacking Friday findet bei uns immer am letzten Freitag des Monats statt. Es wird gemeinsam um 09:00 mit der Vorstellung der Projekte begonnen. Hier gibt es noch die Möglichkeit, sich auch als Team zu einem Thema zusammen zu tun. Wer noch keine Idee hat, kann sich einer Idee anschließen oder sich durch das Team inspirieren lassen. Um 12:30 gibt es ein Buffet. Jeder kann sich dann so mit Essen versorgen, wie es zu seinem Flow passt. Meistens ist es eine gute Chance für den gemeinsamen Austausch des aktuellen Zwischenstandes. Um 17:00 fangen die Präsentationen an. In 10-15 Minuten zeigt jeder, was er gemacht und vor allem was er gelernt hat. Dabei gibt es keine negative Kritik. Vor allem, weil Mitarbeiter sich in fremden Umgebungen bewegen, steht das Lernen im Mittelpunkt. Ein Projekt kann total scheitern. Im Austausch geht es darum, was der Einzelne gelernt hat und was das Unternehmen daraus mitnehmen kann.

Die Regeln des Hacking Friday

Damit der Tag nicht im Chaos versinkt, sondern effektiv genutzt werden kann, sind über die letzten Monate einige Regeln entstanden.

  • Am Hacking Friday bleibt jede mobfish Arbeit liegen
    Der Tag soll bewusst den Kopf frei für Neues machen. Es ist geradezu verboten, ein Thema anzufassen, welches man im Alltag auch anfassen würde. Dies soll vermeiden, dass Mitarbeiter anfangen, den Tag für das Abarbeiten liegengebliebener Themen zu verwenden. Gleichzeitig befreit es aber auch, zu wissen, dass man Freiheit in seiner Themenwahl hat.
  • Die Hacks sollten irgendeinen Bezug zum Unternehmen haben
    Diese Regel soll sicherstellen, dass der Tag auch dem Unternehmen gilt. Wobei die Regel recht offen definiert ist. Man ist frei, neue Tools auszuprobieren, sich Dienstleistungsangebote auszudenken oder ganz neue Produkte zu entwickeln. Am Ende soll aber das ganze Unternehmen davon profitieren können.
  • Jedes Projekt ist mit dem Hacking-Friday abgeschlossen – Es entstehen keine losen Enden
    Wir wollen vermeiden, dass neue Arbeitspakete für den Alltag entstehen. Es soll die Angst genommen werden, dass man sich quasi neue Arbeit schafft. Das Projekt, wie es an dem Tag abgeschlossen ist, wird als Präsentation festgehalten. Es ist natürlich nicht zu vermeiden, dass eine gute Idee, die an einem Hacking-Friday entsteht auch umgesetzt wird. Aber wenn, dann in einem neuen Rahmen. Am Hacking-Friday direkt darf “dreckig” gearbeitet werden, um möglichst schnell Fortschritte zu erzielen. Nicht selten entstehen dabei Prototypen, die maximal bis zur Präsentation halten. Das ist aber auch gewollt. Wann darf man denn mal im Alltag alles so dahin hacken?
  • Jedes Projekt hat ein Ergebnis
    Anfangs kam häufig die Frage: “Was ist, wenn ich das nicht schaffe?”, “Was ist, wenn das Projekt doch zu komplex ist?”. Das ist egal! Es gibt immer ein Ergebnis! Etwas, dass man an dem Tag gelernt hat und somit teilen kann. Auch das ein Ansatz komplex, unpraktikabel oder einfach nur schlecht ist, ist eine Erfahrung, die man teilen kann. All diese kleinen Projekte bauen einen Erfahrungsschatz im Unternehmen auf, aus dem jeder profitieren kann. In der Regel zeichnen wir die Präsentationen für später auch auf und halten alle entstandenen Materialien in der Cloud fest.

Mit den Regeln haben wir einen Tag für uns geschaffen, auf den man sich immer freut und der den Teamgeist stärkt. Es ist eine Freude zu sehen, welche Ideen über den Tag entstanden sind und welche Leistungen jeder einzelne abrufen konnte. So richtig regelmäßig veranstalten wir den Tag erst seit diesem Jahr. Aber jedes mal stelle ich mir die Frage, warum wir das nicht schon früher gemacht haben. Ein Tag im Monat ist nicht viel und er gibt einem so viel zurück.

Tobias Sell
Tobias SellCEO mobfish GmbH
Tobias Sell ist einer der Gründer der mobfish GmbH. Das Startup bietet mit dem mobfish VR Studio eine Cloud-Software an, mit der jeder in der Lage ist, eigene Virtual-Reality-Apps zu erstellen. Auf seinem Blog tobias-sell.com bloggt er über die Themen die ihn als Gründer beschäftigen.

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